Ackerwildkräuter
Als Ackerwildkräuter (Segetalflora), werden krautige Pflanzen und Gräser bezeichnet, die eng an eine ackerbauliche Bewirtschaftung angepasst sind. Diese größtenteils kurzlebigen Arten haben ihren Verbreitungsschwerpunkt im Acker und schließen ihren Lebenszyklus während eines Anbaujahres ab.
Blütenbunte Ackerwildkrautfluren existieren seitdem die Menschen vor rund 9.000 Jahren im Vorderen Orient begonnen haben, Ackerbau zu betreiben. Die Ackerwildkrautflora in Mitteleuropa beinhaltet noch heute, neben heimischen Arten, zahlreiche Arten, die damals mit dem Getreidesaatgut aus dem Vorderen Orient und dem Mittelmeerraum ungewollt importiert worden sind. Etwa 350 Arten werden heute zur Segetalflora gezählt. Die Mehrheit der Arten ist konkurrenzschwach und richtet ökonomisch kaum Schaden an.
Gefährdungssituation
Die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten hat zu einem dramatischen europaweiten Rückgang der Ackerwildkrautflora geführt. Ausschlaggebend für das Verschwinden vieler Arten und das Entstehen uniformer und artenarmer Ackerwildkrautbestände sind folgende Faktoren:
- der umfangreiche Einsatz von Herbiziden
- eine effektive Saatgutreinigung
- dichte Saatreihen
- die Umwandlung von Grenzertragsstandorten in Grünland
Zusätzlich erschwerend, ist, dass der Austausch von Diasporen durch den Wegfall traditioneller Nutzungsformen stark eingeschränkt ist. Die Mehrheit der Wildkrautarten verbreitet ihre Samen nahe der Mutterpflanze und eine spontane Wiederbesiedlung anderer Ackerflächen ist selten. Nitrophile Generalisten, sogenannte „Problemunkräuter“, profitieren von hohen Düngergaben während Arten extensiver Äcker verschwinden.
Ackerwildkrautschutz – Was kann ich tun?
Ackerwildkrautschutz lässt sich besonders gut auf landwirtschaftlichen Ackerflächen mit geringer Bodengüte und geringem Nährstoffgehalt umsetzen (ca. EMZ < 30). Es eignen sich sowohl flachgründige, steinige Böden und Böden mit Vernässungsstellen, als auch sandige Böden. Je nach Bodenart kann sich eine standorttypische Ackerwildkraut-Gesellschaft herausbilden.
Um Ackerwildkräuter zu fördern, ist es nötig, auf Pestizide zu verzichten. Auch Düngergaben können nur begrenzt und primär in organischer Form gegeben werden, da ansonsten nährstoffliebende Problemunkräuter seltenen Arten Raum nehmen. Weiterhin fördert eine verminderte Saatdichte, ein überwiegender Getreideanteil in der Fruchtfolge sowie ein später Stoppelumbruch das Vorkommen von Ackerwildkrautarten.
Über das Agrarumweltprogramm des Landes Hessen, können Maßnahmen zum Ackerwildkrautschutz gefördert werden. Auch im Rahmen einer produktionsintegrierten Kompensation ist die Finanzierung eines Ackerwildkrautschutzes möglich. Der LPV Kassel bietet hierzu eine individuelle Beratung an und begleitet bei der Maßnahmenumsetzung.
Lesen sie HIER mehr zum Thema des Ackerwildkrautschutzes und einer ackerwildkrautfreundlichen Bewirtschaftungsweise!
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